Rahmenbedingungen für das Konfliktschlichtermodell
- Die Schulmediatorin und die Schulsozialpädagogin bieten jedes Jahr eine Streitschlichter-Ausbildung für Schüler:innen an. Die Ausbildung dauert ein Schulhalbjahr, findet in der wöchentlichen AG statt und wird für die Jahrgänge 5 und 6 angeboten.
- Die ausgebildeten Streitschlichter:innen beginnen mit ihrer Schlichtungsarbeit nach dem Abschluss der Ausbildung und sind danach in der Regel noch ein bis zwei Schuljahre tätig.
- Da sich das Angebot der Streitschlichter:innen überwiegend an die Klassenstufen 5-7 richtet, haben die Schlichter feste Präsenzzeiten in der Außenstelle. Für ihre Gespräche steht ihnen dort ein geeigneter Raum zur Verfügung.
- Für Konfliktklärungsanliegen höherer Klassenstufen stehen im Hauptgebäude die ausgebildeten Streitschlichter:innen der früheren Ausbildungsdurchgänge auf Anfrage bereit. Die Schulmediatorin bzw. Schulsozialpädagogin vermitteln hier den Kontakt. Für die Streitschlichtung steht den Schüler:innen das Beratungszimmer zur Verfügung. Die Einrichtung eines eigenen Raumes ist in Planung.
- Eine wichtige Rahmenbedingung für spontane Klärungsanliegen ist, dass Streitschlichtung auch während der Unterrichtszeit stattfinden darf (mit dem jeweiligem Einverständnis der unterrichtenden Lehrkräfte und beteiligten Schüler:innen).
- Zu den Aufgaben der Schulmediatorinnen und der Schulsozialpädagogin gehört neben der Ausbildung der Schüler:innen auch das eigene Angebot einer Schlichtung für Eltern, Erziehungsberechtigte, Lehrkräfte und Schüler:innen im Bedarfsfall.
- Die Schulmediatorin und Sozialpädagogin begleiten die ausgebildeten Streitschlichter:innen in ihrer Tätigkeit im Sinne einer Supervision und sie sorgen für den organisatorischen Rahmen der Schlichtungstätigkeit sowie die Bekanntmachung des Streitschlichtung-Angebots in der gesamten Schulgemeinschaft.
- Die teilnehmenden Lehrkräfte erhalten für ihre Tätigkeit als Schulmediator/innen eine entsprechende Anrechnung auf ihre Unterrichtsverpflichtung.
Streitschlichtung in der Schule
Konflikte zwischen Kindern und Jugendlichen in der Schule…
… sind normal und gehören zum Alltag. Schüler:innen sowie Lehrkräfte haben aber auch häufig erlebt, dass Konflikte das persönliche Wohlbefinden der Schüler:innen so beeinträchtigen können, dass die eigene Lernfähigkeit und manchmal sogar das gesamte Klassenklima darunter leiden können. Nicht selten versuchen Lehrkräfte die Lösung von Konflikten „zwischen Tür und Angel“ zu unterstützen. Verhärtete Konflikte können aus Zeitmangel aber häufig nicht dauerhaft gelöst werden und es kommt zu wiederholten Störungen der Lehr- Lernsituation und des Wohlbefindens. Oft treten die Erwachsenen als „Richter“ auf, die nach Anhörung der Konfliktparteien als Autorität von außen eine Lösung vorschlagen. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass Schüler:innen sich eher an Vereinbarungen halten, wenn sie selbst die Lösung eines Konfliktes erarbeitet haben. Hier setzt das vom Land Niedersachsen geförderte Projekt „Schule konfliktfähig“ an, das im Schuljahr 2005 am Wilhelm-Gymnasium eingeführt wurde und seitdem im Schulleben verankert ist.
Langfristiges Ziel ist, einen konstruktiven, selbstverantwortlichen Umgang mit Konflikten an der Schule zu vermitteln und selbst auf allen Ebenen zu praktizieren.
Was bedeutet das konkret?
Seit Beginn des Schuljahres 2005/2006 arbeiten sowohl Schulmediatorinnen als auch die Schulsozialpädagogin im Team zusammen, entwickeln Ideen und Anpassungen an die Bedürfnisse der Schüler:innen und unterstützen sie bei der Lösung ihrer Konflikte.
Wie arbeiten Streitschlichter:innen?
Streitschlichter:innen verstehen sich als Unterstützung der Konfliktparteien, damit diese für ihre Konfliktsituation eine eigene Lösung finden. Sie sind unparteiisch („allparteilich“) und bieten den Schüler:innen einen vertraulichen Rahmen, in dem die Gefühle, die aus dem Konflikt entstanden sind, bewusst wahrgenommen und in die Lösungssuche mit einbezogen werden können. Streitschlichter:innen geben keine Ratschläge, sondern lenken die Kommunikation der „zerstrittenen“ Schülerinnen und Schüler mit dem Ziel, dass diese eine Vereinbarung für die Zukunft treffen. Diese Vereinbarung wird schriftlich festgehalten und in einem Folgegespräch überprüft.
Was ist also eine Streitschlichtung?
Eine Streitschlichtung ist ein vertrauliches Gespräch, bei dem zwei Konfliktparteien und zwei Streitschlichter:innen anwesend sind. Die Teilnahme am Gespräch beruht auf Freiwilligkeit. Von der Mediation darf nichts nach außen dringen, es sei denn die Konfliktparteien haben sich darüber verständigt, welchen Personen sie von dem Gespräch bzw. Ergebnis berichten möchten. Auch Eltern erfahren also gegebenenfalls nicht, wenn ihr Kind an einem Schlichtungsgespräch teilgenommen hat.
Ausbildung von Schüler:innen unserer Schule zu Streitschlichter:innen
Seit dem Schuljahr 2006/2007 findet die Streitschlichtungsausbildung regelmäßig statt. Die Ausbildung ist sehr praxisorientiert und trainiert vorwiegend in Rollenspielen die wichtigsten kommunikativen Fähigkeiten eines Streitschlichters. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Schüler:innen ein Zertifikat und einen Zeugnisvermerk. In ihrer praktischen Schlichtungstätigkeit werden die Streitschlichter:innen weiterhin durch die Schulmediatorin und die Schulsozialpädagogin begleitet.
Das Streitschlichtungsangebot am Wilhelm-Gymnasium
Das Projekt kann nur dann nachhaltig erfolgreich sein, wenn Lehrkräfte wie auch Eltern unterstützend mitwirken. Lehrkräfte und Eltern können viel dazu beitragen, eine positive Grundhaltung zur Mediation in unserer Schule zu erzeugen. In diesem Sinne ist Aufklärungsarbeit in Form von Gesprächen mit den Schülerinnen und Schülern über diese Möglichkeit der Konfliktlösung in der Schule sehr wichtig. Gerade unter jüngeren Schüler:innen ist der Bedarf an Hilfsangeboten bei der Klärung von Konflikten groß und es fällt ihnen oft noch schwer, selbstständig einen Termin bei der Mediatorin bzw. Schulsozialpädagogin zu machen. Hier ist die Vermittlung des Kontaktes durch die Lehrkräfte sehr wichtig und auch die Ermutigung seitens der Eltern, das Angebot wahrzunehmen. Ein einfacher Weg das Team zu erreichen ist die E- Mail- Adresse:
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass das Streitschlichtungsangebot inzwischen gut etabliert und bekannt ist am Wilhelm-Gymnasium. Die ausgebildeten Schüler:innen sehen das intensive Kommunikationstraining der Streitschlichtungsausbildung als sehr hilfreich und nützlich für sich persönlich – auch für ihre Zukunft – an. Wünschenswert wäre eine noch häufigere Nutzung des Hilfsangebots durch die Schülerschaft.