Home Berichte 2017 Abiturjahrgang 2017

Porträt

Festrede Abiturentlassung 2017

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten!
Meine sehr verehrten Damen
und Herren!

Was für ein schöner Moment!!
Sie haben Ihr letztes Schuljahr mit dem Abitur erfolgreich abgeschlossen! Einige stressige und nervöse Wochen der letzten Prüfungen liegen zurück – und nun ist es geschafft!

Auch für mich ist diese Abschlussfeier ein schöner Moment, denn es ist eine sehr große Freude und Ehre, die ich als Ehemaliger des Wilhelm-Gymnasiums heute habe, wenn ich zu Ihnen spreche.
So darf ich Ihnen, liebe Absolventen, in aller Namen zu Ihrer Hochschulreife herzlich gratulieren, voll der Anerkennung und des Respekts vor der Leistung jedes Einzelnen von Ihnen!

Heute, liebe Abiturienten, bekommen Sie nicht nur Zeugnisurkunden und ein würdiges Ritual - Nein - Ich möchte Ihnen auch noch etwas Anderes schenken!
Ein Lesezeichen, das ich Ihnen sinnbildlich mitgebe.
Es geht natürlich nicht um dieses hübsche Stück Karton, sondern um das, was draufsteht: „The things that make me different are the things that make me.“

Haben Sie’s erkannt? Viele vielleicht schon.
Als ich, kaum war es ausgewählt, abends heim kam und meine Tochter fragte: „Weißt Du, was mein Motto für die Abiturrede ist?
„The things that make me different ....“ – legte ich los -
da hat sie gleich ergänzt: „ ... are the things that make me.’

„Winnie-the-Pooh! Hatte ich doch früher ewig lange als WhatsApp-Status! Weißt du das nicht?”, ergänzte sie dann noch und verschwand wieder….
Nein - Ich wusste es nicht!  So ist das mit der kommunikativen Kompetenz und der literarischen Bildung: ihre (also die meiner Tochter) und meine sind nicht etwa verschieden groß; sie sind aber vor allem anders – different eben.

Und das ist auch gut und richtig so. Denn:
„Das was mich anders macht, ist gerade das, was mich ausmacht“,
um es mal so mit Winnie-the-Pooh, zu übersetzen. Wir kennen ihn alle, den Bären „mit dem seeehr geringem Verstand“, wie er es selbst über sich sagte.

Jede der Figuren im „Hundertsechzig-Morgen-Wald“ hat seine Eigenheiten und trotz - oder gerade wegen - dieser mitunter skurrilen Züge ist die positive Kraft der kleine Gemeinschaft - bestehend aus

  1. gegenseitiger Hilfe,
  2. Freundschaft und
  3. Solidarität 

gerade das, was die Geschichten und das Leben ausmacht.

Jeder darf sein, wie er ist und gemeinsam die Welt entdecken -
das macht Spaß. Es gibt dort nie den erhobenen Zeigefinger.

Wenn die Geschichte nun doch einen moralischen Wert vermittelt, dann sind es wohl die folgende Botschaften,

  1. dass es keine Perfektion geben kann,
    weil jeder von uns ähnlich fehlbar ist wie die Protagonisten aus „Pu der Bär“.
  2. und es um die Werte von Gemeinsinn und Respekt vor den Eigenarten anderer geht.

Respekt? Wie bitte ? Ist das nicht eine ebenso antiquierte Tugend wie Gehorsam? So wird sicher der Eine oder Andere denken. Ein Relikt aus vergangenen Zeiten, eine Einschränkung der persönlichen Freiheit gar?
Womöglich verhält es sich genau andersherum. Wir werden sehen…

Es besteht vermutlich kein Zweifel daran, dass jeder Mensch etwas mit dem Begriff Respekt verbindet.

  1. Für die einen ist es ein Lob: „Tolle Leistung – Respekt!“,
    so wie ich es Ihnen heute auch zurufe!
  2. Für andere eine Aufforderung zu gutem Benehmen:
    „Etwas mehr Respekt, wenn ich bitten darf!“.

Manche verstehen darunter eine Art Ehrerbietung, die man sogenannten „Respekts-Personen“ entgegenbringt.
Und für viele bringt es eine Sorge oder gar Angst zum Ausdruck:
„Vor dem großen Hund / dem Vorstellungsgespräch habe ich echt Respekt.“

In jedem dieser Fälle steht Respekt als Synonym für etwas Anderes.
Interessanterweise sind nun alle Interpretationen nachvollziehbar, obwohl Lob und Furcht nicht wirklich viel gemeinsam haben. Oder vielleicht doch?

Riskieren wir einen Blick in die einschlägigen Nachschlagewerke:
Der Lateiner bezeichnet es als eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen oder einer Institution.

Das ist doch schon mal ein Anfang.
Der vermutlich wichtigste Hinweis der reinen Begriffserklärungen liegt in der Herkunft des Wortes.
Rücksicht im Sinne von zurückblicken beinhaltet zwei Ebenen:

  1. Ich blicke zurück auf bereits Geschehenes.
  2. Und: Vielleicht noch wichtiger:
    Ich blicke zurück zu meinem Gegenüber, der mich anblickt.
    Ähnlich wie beim Grüßen: Der eine grüßt, der andere grüßt zurück.

Wenn wir uns jetzt noch vergegenwärtigen, dass

  1. der Mensch ein soziales Wesen ist, das auf den Austausch und das Miteinander in der Gruppe angewiesen ist –
    und zwar vor allem in Bezug auf emotionale Einbindung;
  2. und dass der Wunsch nach Anerkennung eines der wichtigsten Handlungsmotive des Menschen ist,

dann entwickeln wir bereits eine Ahnung davon, warum Respekt eine notwendige Grundlage für dauerhaft funktionierende und alle Mitglieder zufriedenstellende Gesellschaften ist.

Die Crux am Respekt ist nun, dass er im Wandel der Zeit von seiner eigentlichen Bedeutung entfremdet wurde. So landete er schließlich neben Begriffen wie Gehorsam und Fleiß in der Kellerkiste der überholten Tugenden.

Und da tritt auch die Verbindung von Lob und Angst zutage;
denn besondere Aufmerksamkeit wird Außergewöhnlichem zuteil, sei es außergewöhnlich gut - wie bei Ihnen -
oder eben außergewöhnlich (ehr)furchteinflößend.

Ein ebenfalls viel zu eindimensionales Bild von Respekt offenbaren all jene Mitmenschen, die – mit stolzgeschwellter Brust oder blondgescheitelter Haartolle – folgende Botschaft vor sich hertragen:
„Mir gebührt Respekt, weil ich es im Leben zu etwas gebracht habe.
Schaut nur, wie erfolgreich ich bin!“

Diese Haltung findet sich zuweilen bei Unternehmern, Sportlern, hochstehenden Politikern oder anderen Supertalenten. Tatsächlich haben diese Menschen im weitesten Sinne Güter akkumuliert, materielle Werte wie Geld, Immobilien, Auszeichnungen oder anderes. Dies alles sind - sagen wir es mal so - Insignien des „äußeren“ Erfolgs, die in vielen Gesellschaften oft zugleich mit Macht und Einfluss verknüpft sind. Natürlich ist es beachtlich und zuweilen sogar bewundernswert, wie hart jemand lernt, arbeitet oder trainiert, um sein Ziel zu erreichen.  Und selbstverständlich hat er oder sie dafür Anerkennung verdient.

Und Respekt?  Durchaus, aber nicht mehr als er jedem anderen auch gebührt, und zwar in demselben Maße – auch wenn er sich lieber seinen Kindern, seiner Charakterbildung, bedürftigen Menschen oder dem Müßiggang widmet.

Denn ein Mensch ist ein Mensch. Ganz unabhängig von seinem Äußeren, seinen Fähigkeiten, seinem Charakter, seinen Vorlieben. Wir sind nicht alle gleich (zum Glück!). Aber wir sind alle gleichwertig. Ausnahmslos.
Das hat sich leider noch nicht überall herumgesprochen, obwohl es sogar im Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dahinter verbirgt sich die grundsätzliche Gleichwertigkeit und bedingungslose Anerkennung des Rechts auf freie Entfaltung.

Und genau das bedeutet Respekt !! Ich sehe und erkenne dich als Menschen mit eigenen Gefühlen, Bedürfnissen, Wünschen und weiß, dass deine Belange ebenso relevant sind wie meine. Ganz egal, ob sie meinen ähneln oder nicht.
Ganz egal, ob du mir ähnelst oder nicht.

Der Philosoph Kant brachte es mit seinem kategorischen Imperativ bereits im 18. Jahrhundert auf den Punkt: „Handle stets so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“
Das meint auch: Beanspruche für dich nur, was du anderen im selben Maße zugestehst. Gleiches Recht für alle!
Menschen zu respektieren heißt also, sie bedingungs- und ausnahmslos als gleichwertig anzuerkennen. Das gilt für Freund und Feind.
Respekt gebührt ihnen allen!

Natürlich liegen uns manche Menschen mehr, andere dagegen gar nicht.
Zum Beispiel, weil sie rassistische Ansichten vertreten oder sich unfair oder gar gewalttätig verhalten. Doch auch hier gilt: Respekt. Verachtenswert sind die Ansichten und die Taten –  aber niemals der Mensch.
Ja – das ist zuweilen nicht einfach. Aber das Anrecht auf Respekt ist nicht verhandelbar. Was natürlich nicht heißt, dass man Unrecht tolerieren muss!
So weit - so gut!  Aber warum genießt der Begriff Respekt ein so schlechtes Image?

Vermutlich hat zur Degradierung des Respekts auch beigetragen, dass wir Menschen uns über Jahrhunderte vorbehaltlos an klassischen Autoritäten wie Priestern, Landesfürsten – oder, etwas moderner – Ärzten, Lehrern, Politikern oder Managern orientiert haben. Erst in den letzten Jahrzehnten ist eine gesunde Skepsis der Menschen gegenüber diesen sogenannten Respekts-Personen gewachsen. Das basiert unter anderem auf der Erfahrung von Machtmissbrauch in unterschiedlichsten Ausprägungen.

In vielen Zusammenhängen gibt es zwar immer noch einen Vorschuss an Respekt beziehungsweise Vertrauen aufgrund der Position, die jemand bekleidet, etwa dem Arzt oder dem Trainer gegenüber.  Das ist im Grunde auch gut so. Aber wenn die Beweisführung ausbleibt, wenn die erwartete Leistung nicht erbracht wird, die Rolle nicht ausgefüllt wird, ist der Vertrauens-Bonus schnell verspielt.

Ein Grund dafür: die Demokratisierung und universelle Verfügbarkeit von Wissen. Längst leben wir in einer Gesellschaft, in der Wissen nicht mehr einer Bildungselite vorbehalten ist, auf deren Urteil man sich verlassen muss.
Dieser Umstand ist durchaus begrüßenswert, führt er doch zu mehr Mündigkeit der Bürger. Das Fakten-Wissen selbst ist dabei nicht wirklich das Problem – man muss nur wissen, wie und wo, und man kann es sich beschaffen.

Aber gerade da zeigt sich das Problem:
Wie sind die Zusammenhänge? Wie ordne ich das?  Wie differenziere ich?

Auch wenn bei der Komplexität einige Menschen Schwierigkeiten haben, Quellen zu beurteilen und jedes geschriebene Wort – unabhängig vom Absender und dessen Motiven – für bare Münze nehmen. In Bezug auf Respekt ist die Entwicklung eine echte Chance, dann nämlich, wenn Respekt immer weniger an eine Funktion geknüpft ist, sondern immer stärker an die Person selbst.

Denn, dass es nach wie vor Vorbilder braucht, ist wohl unbestritten. Hier kommt ein anderer, oft verkannter beziehungsweise missverständlich genutzter Begriff ins Spiel: Autorität. Wahre oder natürliche Autorität beruht nicht auf einem Machtgefälle oder einer zwanghaften Konstruktion, in der ein Mensch dem anderen ausgeliefert ist, sondern ebenso wie Respekt auf der grundsätzlichen Anerkennung von Gleichwertigkeit. Eine Respektsperson oder natürliche Autorität besticht durch Integrität, Wahrhaftigkeit und Konsistenz und  befindet sich immer auf Augenhöhe mit ihren Mitmenschen.
Jemand, der über natürliche Autorität verfügt, flößt anderen nicht absichtlich Angst ein. Er bricht nicht ihren Willen; er unterdrückt oder erniedrigt sie nicht.

All diese Methoden von Machtmissbrauch lassen sich vorzugsweise bei Menschen beobachten, die nicht über natürliche Autorität, sondern vielmehr über ein übersteigertes Geltungsbewusstsein verfügen. Ein Blick in die Historie und deren größte Despoten gibt da gute Hinweise. Bedauerlicherweise hält auch die Gegenwart geeignete Beispiele bereit: Menschen mit besonderem Geltungsbedürfnis erhalten zur Zeit regen Zuspruch. Warum bloß?

Ein Grund für diese Entwicklung könnte das subjektive Gefühl von
steigender Unsicherheit sein. Komplexe Entwicklungen wie die Globalisierung, Brexit und Grexit, Erderwärmung, weltweite Unruhen sowie terroristische Anschläge, die uns tagtäglich in den Medien präsentiert werden. All das hinterlässt deutliche Spuren in unseren Gemütern.
Zudem scheint alles immer schneller und damit unübersichtlicher zu werden:
technische Entwicklungen, häufige Wohnort- und Berufswechsel, sogar das Ver- und sich wieder Entlieben.
Kaum noch etwas hat dauerhaften Bestand. Und obendrein bescheren uns neue Kommunikationsmedien eine ständige Verfügbarkeit, deren Sog man sich nur schwer entziehen kann. Sie forcieren neue, oft unpersönlichere Formen des Mit- oder eher Nebeneinanders.

Das ist für nicht Wenige ein bisschen zu viel an Veränderung; und da Veränderung tendenziell verunsichert, sehnen sich immer mehr Menschen nach Beständigkeit und Gewohntem.

Das ist die eine Seite des Dilemmas,  Die andere ist: Verunsicherung liefert den perfekten Nährboden für machthungrige Despoten und sogenannte „starke Männer“. Denn diese besitzen anscheinend das nötige Durchsetzungsvermögen, um Stabilität und damit Sicherheit zu garantieren.

Natürlich darf man das nicht verallgemeinern, und nicht jeder mit angekratztem Selbstwertgefühl ist auf dem Weg zum Despoten. Aber vermutlich kennt jeder aus dem eigenen Umfeld cholerische Chefs oder (sinnbildlich) rohrstockschwingende Lehrer, die außer einer Bereitschaft zum Strapazieren der Stimmbänder und der Fähigkeit, anderen Angst einzuflößen über wenig Kompetenz verfügen. Zum Glück bilden sie nur eine Minderheit.

Also: Der Wunsch nach Anerkennung und Wertschätzung ist rein menschlich und uns allen gemein. Denn wer nie von seiner Umwelt gespiegelt bekommt, dass er wertvoll ist, kann schwerlich ein solides Selbstbewusstsein aufbauen und innere Zufriedenheit entwickeln. Wer keinen Respekt erfährt, kann auch keinen zollen. Weder anderen noch sich selbst. Wenn ich mich selbst ständig infrage stelle, tun es erstens auch andere – denn ich strahle diese Unsicherheit aus –, und ich tue es auch mit anderen. Und: Je weniger ich mich selbst anerkenne, desto stärker suche ich nach Bestätigung von außen. Meine Stärke, meine Zuversicht, mein Lebensmut speisen sich dann nicht aus mir selbst, sondern aus dem Urteil meiner Umwelt.  Wehe, wenn es dann nicht kommt…

Demnach ist es von elementarer Wichtigkeit, dass ich mich selbst respektiere,
das heißt mich ehrlich erkenne, anerkenne und akzeptiere –  mit all meinen guten und weniger guten Seiten. So wie es Winnie-the-Pooh uns vormacht.
Denn nur, wenn ich ein ehrliches Selbstbild habe und dieses mit allen Facetten anerkenne, kann ich mich selbst wertschätzen und auch andere Menschen vorbehaltlos als gleichwertig anerkennen.

Hier, meine Damen und Herren, schließt sich der Kreis zur natürlichen Autorität:
Jemand, der sich selbst wertschätzt, innere Zufriedenheit erlebt und seinen Selbstwert nicht an Materiellem festmacht, der fordert keinen Respekt für sich ein – aber er erhält ihn. Denn Menschen, deren Stärke sich aus ihrem Inneren speist, sind weitestgehend unabhängig vom Urteil anderer.
Sie meinen nicht nur, was sie sagen, sie tun es auch –  und übernehmen die Verantwortung für ihr Handeln.
Und sie sind bereit, sich immer wieder zu hinterfragen und sich auch immer wieder in Relation zu ihrer Umwelt zu setzen.

Hier sind wir angelangt beim wichtigen Punkt. Dem Unterschied zwischen Respekt und Gehorsam: Denn eine natürliche Autorität bekäme den Respekt ungefragt und unaufgefordert. Verbirgt sich hinter der Forderung nach Respekt aber die Anweisung: „Ich will, dass du mir bedingungslos folgst, nicht selber denkst!“

Dann das ist eben kein Respekt, sondern blinder Gehorsam.

  1. Gehorsam ist ein Verhalten, eine Reaktion, für die ich mich – mehr oder weniger freiwillig – entscheide.
  2. Respekt dagegen ist eine Haltung, er ist fest verankert in mir
    und kann nicht an- und ausgeschaltet werden.

Ja: Haltung ist gefragt! Schon Kant wusste: Im Leben zählen nicht nur die Taten, sondern Einstellungen und Werte – ergo: die Haltung, die hinter den Taten steht.

Die meisten unter uns erkennen schnell die Motivation ihres Gegenübers:
Nimmt er mich ernst als Mensch oder will er nur, dass ich möglichst produktiv bin und ansonsten meinen Mund halte?  Wer dann auch noch von anderen einfordert, was er selbst nicht vorlebt – zum Beispiel Verlässlichkeit, Pünktlichkeit – muss sich nicht wundern, wenn in seinem Umfeld „Null Bock“, innere Kündigung oder große  Fluktuation herrschen. Und andersherum: Wer seinen Mitmenschen ehrlichen Respekt entgegenbringt, sie als vollwertige Menschen und nicht nur als Vasallen anerkennt, schafft die beste Voraussetzung für engagierte und motivierte Teammitglieder, die viel Eigeninitiative zeigen und gerne Verantwortung übernehmen.
Das gilt im Beruf – im Privaten – und ebenso in der Schule.

Wir erinnern uns: Niemand kann für sich alleine leben, auch wenn manche es sich wünschen mögen. Der Mensch ist ein soziales Wesen.
Ohne Austausch mit anderen verkümmert er. Aber am Austausch mit anderen verzweifelt er auch oft. Zuweilen ist es gar keine böse Absicht, sondern fehlende Aufmerksamkeit: Weil wir abgelenkt sind, unkonzentriert oder einfach überlastet,
bleibt kein Raum, um das Gegenüber als Menschen wahrzunehmen.
Wir bemerken nur das für uns im Moment Störende und reagieren unwirsch.

Wie man es also dreht und wendet: Respekt ist die wesentliche Grundlage für den Fortbestand unserer Gesellschaft. Zumindest, wenn diese für alle Menschen gleichermaßen zufriedenstellend beschaffen sein soll.

Wie also lässt sich mehr Respekt erzeugen? Gute Frage! Um nicht zu sagen: Das ist die entscheidende Frage. Die Antwort führt uns zur „Keimzelle“ der Gesellschaft, der Familie …

Respekt muss vorgelebt werden, und er muss erfahren werden, um gezeigt werden zu können. Und das beginnt im Prinzip mit dem ersten Tag des Lebens. Denn Respekt ist nicht angeboren – was vieles erleichtern würde –, sondern muss und kann erlernt werden.

Was gehört dazu?

  1. Dazu gehört, dass man auf Augenhöhe spricht, die Leistungen des anderen anerkennt und aufrichtig ist.
  2. Es ist also der Versuch, verstehen zu wollen, was den anderen zu seinen Ansichten und Handlungen veranlasst hat.
  3. Ohne gleich zu urteilen, was falsch oder richtig oder eben anders ist. Anders aussehen zum Beispiel. Anders glauben. Anders lieben. Anders denken - wie Pu der Bär.
  4. Dass wir unaufmerksam sind! Das fängt schon auf der Straße an, wo man einander - leider - nicht mehr grüßt.

Also, es gibt noch viel zu tun – aber es gibt vor allem auch viel Hoffnung. Denn mit Blick auf die ganz zu Anfang dieser Rede gestellte Frage, was denn Respekt überhaupt sei, lässt sich festhalten:
Respekt ist keine Eingrenzung unserer persönlichen Freiheit, sondern
ganz im Gegenteil die Voraussetzung dafür.  Denn nur eine von Respekt getragene Gesellschaft lässt allen Menschen den Raum, sich zu entfalten – ohne die Persönlichkeit der anderen zu verletzen.

„Die Dinge, die mich anders machen, sind die Dinge, die mich aus machen.“ sagte Puh der Bär zu Beginn meiner Ansprache.
Das gilt - wie gesagt auch für den Gegenüber.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Abiturienten,
ein letztes Mal will ich mit dem kleinen Bären,
dessen Weisheiten wohl zeitlos sind, sagen:
Bleibt respektvoll, achtsam und pflegt Eure Eigenarten! Be different!

 

Holger Thies, Vorsitzender des WG-Ehemaligenvereins

 

 

zurückblättern | Seitenanfang | Sitemap | Impressum