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Musikprojekt – „la chute d'eau“ (Wasserfall)

 

19.02.2016

Unsere Aufgabe war es, ein eigenes Musikstück zu komponieren. Dabei konnten wir zwischen den Stilrichtungen des Expressionismus, des Impressionismus und der Zwölftonmusik wählen. Uns war von Anfang an klar, dass wir ein impressionistisches Stück fertigen wollten, da diese Musik am ruhigsten und am angenehmsten zu hören ist. Hauptinstrument sollte dabei ein Klavier sein.

Nach einigen Gesprächen entschieden wir uns für Wasser als Hauptthema der Komposition.

Das Klavier trägt den Eindruck der Wassertropfen sehr gut und hat zudem fließende Übergänge. Es spielt sehr weich durch Legato und durch den Einsatz des Pedals. Wir probierten weitere Instrumente aus, die das Klavier begleiten sollten. Letztlich wählten wir noch zwei Glockenspiele, eine Gitarre und einen Gong. Die Glockenspiele spiegeln die einzelnen Wassertropfen wieder und der Gong sorgt für einen asiatischen Touch. Die Gitarre stellt einen Kontrast zur Schwere des Klaviers dar und symbolisiert damit die Leichtigkeit des Wassers.

Die Komposition zeichnet sich durch die Pentatonik F-G-B/Ais-C-D aus, welche wieder das Asiatische aufgreift und durch die fehlende Dur/Moll-Tonalität ein charakteristisches Stilmittel des Impressionismus ist.

Das Thema, die Abfolge F-G-B/Ais-C-D (so wie die Pentatonik), wird mehrfach wiederholt. Ostinati kommen oft in der impressionistischen Musik vor. In „la chute d'eau“ wird das Thema in der Reihenfolge Klavier, Gitarre, Glockenspiel 1 und Glockenspiel 2 gespielt, mit dem Gong als Endton jeder Wiederholung. Nach einer Improvisation mit dem Klavier folgt das Thema rückwärts gespielt, D-C-B/Ais-G-F, wobei die Instrumente wieder versetzt einsetzen, bis alle Instrumente zusammen spielen. Dieser Teil wirkt gewollt ein wenig durcheinander; das Wasser fällt hinab. Der Gong spielt den Schlusston.

Beruhigend, träumerisch und verspielt ist die Wirkung des Stückes. Man sollte sich komplett mit seinen Gedanken auf die Musik und die Assoziation Wasser konzentrieren. Es entsteht ein schwebender Eindruck.

Zu dem Musikstück entschieden wir uns noch ein Bild zu malen sowie Gedichte und eine Geschichte zu schreiben. Das Bild zeigt einen Wasserfall, der unser Hauptthema darstellt. Hier wurde mit Acrylfarben gearbeitet. Die Gedichte und die Geschichte verschriftlichen die Musik. Das Gedicht „Am See“ wurde in einer koreanischen Gedichtform (Sijo) verfasst, wodurch wiederum das Asiatische hervorgehoben wird.

 

Wasser – Geschichte

Sie lief. Sie lief so lange, bis sie nicht mehr konnte. Jauchzend stemmte sie die Hände auf die Oberschenkel, atmete tief ein und wieder aus. Der Saum ihres Kleides war beschmutzt. Er schliff auf dem angefeuchteten Boden. Trotzdem sah sie wunderschön aus. Ihr tiefbraunes Haar fiel ihr lockig über die Schultern, die schmal und zart waren. Ihre blauen Augen glichen Eiskristallen, die eigentlich zu groß für ihr feines Gesicht waren. Sie schaute sich um und begann ihre Umgebung wahrzunehmen. Sie hatte das Gefühl, als wäre dies eine andere Welt. Die Sonne schien plötzlich und sie vernahm das Rauschen von Wasser. Die Grashalme wiegten sich im Wind, der ihr eine leichte Gänsehaut bescherte. Eine Lerche begann zu singen. Helle Töne. Sie wirkten wie ein Lied, das nur für sie gesungen wurde. Die ihr sagten, dass sie nicht aufgeben solle. Das alles gut werden würde. Das gerade Erlebte erschien ihr so wunderbar, dass ihr Tränen in die Augen stiegen. War sie eben noch so hoffnungslos gewesen, keimte nun neue Zuversicht in ihr auf. Sie blickte zum Himmel, dann wieder hinab. Das Mädchen machte ein paar Schritte auf das Rauschen zu. Noch einen weiteren Schritt und dann fiel sie. Wie in Trance. Ihr Körper wurde Eins mit dem Wasser. Ihre salzigen Tränen vermischten sich mit der klaren, eiskalten Flüssigkeit, die sie umgab. Sie fiel immer weiter. Unendlich weit. Unendlich tief. Sie dachte nicht, sie fühlte nicht. Ihre Haare wirbelten herum, peitschten ihr ins Gesicht. Dann, mit einem Mal, war sie selbst einer der Millionen von Wassertropfen. Sie schlug am Boden auf und strömte weiter den Fluss hinab, so schnell, dass alles um sie herum verschwamm. Doch sie gab sich dem einfach hin. Wollte loslassen und alles vergessen. Sie begann wieder klarer zu denken und fühlte sich endlich frei. Das war das Einzige, was sie sich immer gewünscht hatte. Freiheit.

Dann wachte sie auf. Kuschelte sich in ihre Decke und wollte sich wieder ihrem Traum hingeben, doch er war verloren.

 

Wasser – Gedichte

Wasserfall

Rasant fließt das Wasser hinab.

Hinab in die Tiefe.

Schlägt am Boden auf.

Tropfen für Tropfen wird in die Luft gewirbelt,

Dreht sich, wendet sich.

Ich falle mit ihnen.

Es ist ein langer Weg.

Unendlich lang.

Rasant fließt das Wasser hinab.

 

Am See

Es funkelt blau und türkis,

wie die Augen der Nymphen.

Sirenen sind es nicht,

das Wasser stillt und schwappt ganz frei.

Wasserlilienblüte,

ein Koifisch zeigt sich kurz im Licht.

 

Tabea, Youngsu, Sarah, Leonie, Tessa, Joelle (Jg. 12)

 

„Black on Black“ von Anna

Fachgruppe Musik