Home Berichte 2012 Januar - Juli

Bericht zum Polen-Austausch
vom 10.6.- 22.6.2012 in Nidzica

30.06.2012: Um 21.30 Uhr standen wir alle am ZOB und waren unglaublich aufgeregt und gespannt auf die zehn Tage, die vor uns lagen. Mit den Fragen: „Warum ist dein Koffer so fett?“, „Hat einer Sonnencreme dabei?“, „Warum trägst du denn Jogginghose?“, „Kann man sich noch mal irgendwann umziehen?“ kam dann auch langsam die verständliche Nervosität auf. Die aber war spätestens nach einer halben Stunde im Bus verschwunden, als alle Koffer verstaut, alle Eltern und alle Gedanken daran, dass man auf die Fahrt eigentlich dringend seine Mathemappe hätte mitnehmen müssen, längst wieder vergessen waren.

Als wir dann nach einer eher weniger schlafreichen Nacht bei unseren Austauschschülern ankamen, gab es erst einmal große Verunsicherung auf beiden Seiten. Aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit und der ersten Nacht vermischten sich die Gruppen allmählich und unser straffes Programm zum Kennenlernen von Land und Leuten begann.

Um festzuhalten, was wir alles gesehen, erlebt und gelernt haben, wäre ein ganzes Buch nötig, deswegen hier alles nur stark zusammengefasst.

Unser erster Ausflug führte uns nach Torun, als nächstes mit dem grünen Bus (der schon mal seine Macken offenbarte) zur Jugendherberge, wo erst mal an alle die Austausch-T-Shirts verteilt und Gruppenfotos geschossen wurden. Dann Polen gegen Russland. Polnische und deutsche Fußballfans zusammengequetscht in einem Drei-Mann-Zimmer vor einem winzigen Fernseher. Ein großartiges Erlebnis, die Sprache war auf einmal kein Problem mehr.

Am nächsten Tag, nach einer Nacht, in der wir auf unserem Vierer-Zimmer noch versucht hatten, die Polen über unsere Meinungen und die deutsche Politik im allgemeinen aufzuklären (in Englisch), ging es ins Freilichtmuseum nach Kaschubien, wo der ehemals längste Tisch der Welt steht und wir unser eigenes Brot gebacken haben. Dann wieder in den grünen Bus, auf den Rückweg nach Nidzica, voller Vorfreude auf das Spiel gegen die Niederlande an diesem Abend. – Kaputter Reifen. Vier Stunden Verspätung. Die erste Halbzeit verbrachten wir im Bus, mit polnischem Radio und versuchten aus den Namen und Positionen der deutschen Spieler den Spielverlauf zu konstruieren. Die polnischen Schüler übersetzten so gut es eben ging und das ganze wurde zu so etwas wie der lustigsten ersten Halbzeit, die ich je erlebt habe.

Wir haben übrigens auch selbst Fußball gespielt. Deutschland gegen Polen. 5:2 für Deutschland.

„Der unendliche Sog“ - Gedicht von Jonas Gawinski. Jonas hat sich zu diesem Gedicht von den masurischen Seen inspirieren lassen. (pdf)

Wir haben noch so viel mehr gemacht: Theater Workshops, die Schule besucht, Würstchen gegrillt, Muffins gebacken, Blumen gebastelt, im Zirkus gewesen, Sightseeing ... Die Zeit verging viel zu schnell. Die polnischen Austauschschüler wurden zu richtig guten Freunden. Verständigungsprobleme gab es so gut wie keine (für Wörter, die man nicht kannte, wurden einfach neue gefunden,  z. B.: Schaukel = Wuu-Machine). Dazu muss ich noch sagen, dass die Polen unglaublich gastfreundliche Menschen sind, immer darum besorgt, man könnte verhungern. Einer der ersten polnischen Sätze, die ich gelernt habe war: „Nein, ich bin satt.“ Denn genauso wie die Polen ihre Deutschkenntnisse verbessern wollten, genauso wollten sie uns ihre eigene Sprache beibringen. So stiegen wir schließlich alle wieder mit einer ganzen Sammlung von sinnvollen bis weniger sinnvollen Vokabeln (alles von Bruder Jakob bis Erdbeeren) in den Bus zurück nach Deutschland. Es war eine wunderbare Zeit in Polen und beim Abschied flossen die Tränen auf beiden Seiten.

„We stay in contact.“ Ein Versprechen, das ich noch nie so oft gegeben habe wie an diesem Nachmittag.

Danke nochmal an die ganze Truppe, vor allem an die Begleitpersonen und alle die, die diese Begegnung möglich gemacht haben.

Clara Chowanietz

 

 

   

 

 

zurückblättern | Seitenanfang | Sitemap | Impressum