Verehrte Freunde und Förderer
des Wilhelm-Gymnasiums –

„Tradition und Innovation“ – im Jahr 2006 hat unsere Schule viele Früchte bewährter WG-Schultradition geerntet, aber auch neue Traditionen gestiftet.

Schulen verändern sich gegenwärtig in atemberaubendem Tempo: Aus dem hergebrachten Gymnasium, dessen Planen und Wirken von zahllosen Regelungen und Aufsichtsorganen vorgeformt und vereinheitlicht war, entsteht zur Zeit ein eigenverantwortliches Zentrum intensiven Lernens mit enormer Handlungsfreiheit, aber auch weitreichender Gestaltungspflicht. Die Verbindlichkeit schulischen Lernens nimmt zu, Schule und Unterricht sind auf definierte Zielstellungen ausgerichtet, Lernergebnisse werden umfassend evaluiert, Schülerinnen und Schüler erhalten eine individuelle Laufbahnberatung. Im Bereich der Schulorganisation halten moderne Managementmethoden Einzug, aufwändige Qualitätsentwicklungsverfahren treiben die Reorganisation und Ausgestaltung der Schule voran.

Am Wilhelm-Gymnasium ist diese „Neuerfindung“ des Gymnasiums von Anfang an als Chance aufgefasst und mit Engagement adaptiert worden. Wie bereits in den Jahren 2000 bis 2005 (Etablierung des WG als „n21“-Medienprojektschule, Einführung der Hochbegabtenförderung, Formulierung eines Schulprogramms, Umsetzung der Schulstrukturreform, curriculare und pädagogische Integration der Klassen 5 und 6, Einstieg in die Schulqualitätsentwicklung, Einführung einer Profilmittelstufe, Entwicklung einer Profiloberstufe usw.) hat sich die Schule auch im Jahr 2006 sehr gründlich mit Fragen der Didaktik, Erziehung und Organisation befasst:

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Evaluation (durchgeführt vom Schulpraktischen Zentrum der TU Braunschweig unter Leitung von Frau Vizepräsidentin Prof. Dr. B. Jürgens) wurden zentrale Kommunikationsprozesse von Schulleitung und Kollegium auf den Prüfstand gestellt; an der Ausgestaltung des Konzepts der sog. „Individuellen Lernentwicklung und ihrer Dokumentation“ nahm das Wilhelm-Gymnasium (im Rahmen einer Beauftragung durch Kultusministerium und Landesschulbehörde) als „Erprobungsschule“ teil und konnte auf die nun landesweit geltenden Regelungen Einfluss nehmen; auch dem niedersächsischen Projekt „Schule konfliktfähig“ schloss sich unsere Schule an, sodass wir im Frühjahr 2007 über ein qualifiziertes Team sorgfältig ausgebildeter Schülermediatorinnen und Schülermediatoren verfügen werden; ein pointiertes und differenziertes WG-Leitbild wurde erarbeitet; die Arbeit an einem fächerübergreifenden und fächerverbindenden Methodencurriculum für alle Jahrgänge konnte erfolgreich zu Ende geführt werden.

Diese Innovationen im Zentrum schulischen Handelns sind von der bewährten WG-Tradition vertiefter geisteswissenschaftlicher, naturwissenschaftlicher, gesellschaftswissenschaftlicher und musischer Bildung getragen. Zahlreiche besondere Erfolge belegen auch im Jahr 2006, wie lebendig und fruchtbar diese Tradition ist: Erfolge bei den alt- und neusprachlichen Wettbewerben, in der diesjährigen Braunschweiger Schultheaterwoche, im Wettbewerb „Jugend debattiert“, in der neuen Kultur-Veranstaltungsreihe „Remter 05“, im „Jugend experimentiert/Jugend forscht“-Wettbewerb, in den Mathematik-Wettbewerben, im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“, im Skilanglauf bei „Jugend trainiert für Olympia“ – und nicht zuletzt im ersten niedersächsischen Zentralabitur: Mit einem Prüfungsdurchschnitt von 2,47 lagen die WG-Abiturientinnen und -Abiturienten nur um 0,04 Notenpunkte hinter dem in Braunschweig erstplatzierten Gymnasium (NO mit 2,43) und erlangten in der „Landesliste“ den 14. Platz aller Gymnasien (Landesdurchschnitt: 2,66; Landesdurchschnitt aller Schulen mit gymnasialer Oberstufe: 2,71).

Auf dem Feld der Politik- und Wirtschaftswissenschaften glänzte die WG-Schülerfirma „Know it“: Mit ihrem „Braunschweig-Stadtführer für junge Leute“ avancierte ihre – im Rahmen eines Förderprojekts des DIW Köln entstandene – Schüler-Aktiengesellschaft, nach Landessieg und Bundessieg, im schweitzerischen Interlaken zur besten Schülerfirma Europas. Empfänge bei Herrn Oberbürgermeister Dr. Hoffmann, Herrn Kultusminister Busemann, Herrn Wirtschaftsminister Hirche, Herrn Ministerpräsident Wulf und Frau Bundeskanzlerin Merkel schlossen sich an.

Der WG-Tradition kritisch-emanzipatorischen Geistes gemäß fanden auch im zurückliegenden Jahr Gespräche mit herausragenden Zeugen deutscher Geschichte statt: Frau Dr. Knoop-Graf, Schwester des ermordeten Widerstandskämpfers Willi Graf, und Herr Prof. Dr. Y. Blum, Überlebender des KZ Bergen-Belsen, Staatsrechtler in Jerusalem und UNO-Botschafter Israels, sprachen mit unseren Schülerinnen und Schülern über Nazi-Deutschland, die Tabuisierung des Holocausts in der jungen Bundesrepublik und über politische Verfolgung in heutiger Zeit.

In besonderer Weise kam die Tradition unserer Schule in den Feierlichkeiten anlässlich des 100. Jahrestages der Umbenennung des „Herzoglichen Neuen Gymnasiums“ in „Herzogliches Wilhelm-Gymnasium“ am 25. April zur Geltung. Frau Ltd. Regierungsschuldirektorin Ristau und Herr Dr. Biegel, Direktor des Braunschweigischen Landesmuseums, würdigten die Person des Namensgebers; Herr Gruner, Leiter unserer Außenstelle und Stadtheimatpfleger, zeichnete ein Bild der Schulgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Besondere Ehrung erfuhr die Schule durch die Anwesenheit des Oberbürgermeisters, Herrn Dr. Hoffmann, der den Weg und die Leistung des Wilhelm-Gymnasiums als „einzigartige Erfolgsgeschichte“ bezeichnete. Das aus ehemaligen und derzeitigen Schülern bestehende Altendorf-Quartett wie auch Herr KMD Hans-Dieter Karras an der Orgel überraschten mit außerordentlichen musikalischen Beiträgen.

Auch in diesem Jahr hat die Schulgemeinschaft vielerlei Anlass, den ehemaligen Schülerinnen und Schülern und insbesondere dem Ehemaligenverein unter dem Vorsitz von Herrn RA und Notar Fr. H. Lehmann für die Unterstützung besonderer Schulprojekte zu  danken. Dank auch der Abiturientia 1956, der Abiturientia 1981 und der Abiturientia 1986 für den Jubiläumsbesuch in der Schule, für großzügige Spenden und für die Teilnahme an der feierlichen Entlassung der diesjährigen Abiturientinnen und Abiturienten, die von der Festansprache des Ehemaligen Herrn J. Vahrmeyer, Pastor zu St. Katharinen, ganz wesentlich geprägt war.

Mit ins neue Jahr nehmen wir aber nicht nur die Erfahrung fruchtbarer Traditionen und Innovationen sowie die Freude über vielfältige Unterstützung durch Eltern und Ehemalige; mit ins neue Jahr nehmen wir auch die Trauer über unsere beiden verstorbenen Schüler des 11. Jahrgangs, Lars Stautmeister und Jan Böttger. So ratlos wir ihrem Tod gegenüberstehen, so sicher sind wir in unserer Erinnerung an zwei freundliche und liebenswerte Menschen, die, jeder auf seine Weise, der Schule viel Gutes haben zukommen lassen und die uns nun sehr fehlen.

Gerhard Thamm van Balen, Schulleiter

 

 

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