... bundesweite Bildungsstandards, Schul-TÜV, Abitur nach 12 Jahren, Zentralabitur, Gymnasium ab Klasse 5, Neugestaltung der gymnasialen Mittelstufe, Profiloberstufe ...

Auch in Niedersachsen war das Jahr 2004 ein Jahr tiefgreifender Reformen und ambitionierter Neuansätze. Die niedersächsische Schulstrukturreform gehört sicherlich ins Zentrum dieses Versuchs kritischer Bilanzierung und mutiger Umgestaltung im Bildungswesen. Auch das Wilhelm-Gymnasium hat sich in diesem Prozess spürbar gewandelt: Mit Erleichterung und Freude hatten wir die Entscheidung des Schulträgers aufgenommen, dass die Orientierungsstufe Leonhardstraße, die mit Recht einen ausgezeichneten Ruf in der Braunschweiger Öffentlichkeit genießt, dem WG zugeschlagen werden sollte. Waren "OS Leo“ und WG bereits seit mehr als 30 Jahren ein Team, konnte man nun an eine Zusammenführung erfahrener Kräfte und bewährter Traditionen denken. Gemeinsam mit Herrn Gruner traten 14 Lehrkräfte aus der langjährigen Partnerschule und aus anderen Orientierungsstufen ins Kollegium des Wilhelm-Gymnasiums ein, Experten für den Unterricht in 5. und 6. Klassen und willkommene Lehrmeister für alle Kolleginnen und Kollegen, denen der Unterricht in der frischgebackenen "Unterstufe“ Neuland war.

Bereits das überaus rege Interesse der Eltern und Schüler an unseren "Tagen der Offenen Tür“ für die neuen fünften, sechsten und siebten Klassen ließ erahnen, dass sich auch die Schülerzahl zum Schuljahr 2004/2005 deutlich vergrößern würde; tatsächlich konnte unsere Schule in diesen Jahrgängen vier Züge bilden.

Zu den vielen organisatorischen Vorbereitungen des neuen Schuljahrs trat die Weiterentwicklung des inhaltlichen Schulprofils in der Sekundarstufe I: Bei der Ausgestaltung der schulrechtlich neu gefassten Mittelstufe gelang es, die Alten Sprachen zu bewahren und zu stärken, das neusprachliche Angebot um das Fach Spanisch zu erweitern und ein mathematisch-naturwissenschaftliches Profil zu errichten.

Waren Kollegium und Schulleitung durch die Vielzahl der zu bewältigenden Reformschritte auch in besonderer Weise gefordert, konnten dennoch die traditionsreichen Angebote unserer Schule auf hohem Niveau verwirklicht werden: Schüleraustauschfahrt nach Megara/Griechenland, Gastwoche für griechische und amerikanische Partnerschüler in Braunschweig, Austauschfahrt nach Gilford/USA, Klassen- und Studienfahrten, fachwissenschaftliche und kulturelle Exkursionen, dreifacher Theaterabend, Musikabend, Schulball, Betriebspraktikum und Berufsinformationstage, prämiierte Teilnahme an den Skiwettkämpfen im Zeichen von "Jugend trainiert für Olympia“, Weihnachtsgottesdienst in der Magni-Kirche etc. –

Sorgfältige Planung und beharrliche pädagogische Umsetzung trugen auch im Bereich unserer Hochbegabtenförderung besondere Früchte: Zahlreiche Schülerinnen und Schüler zeigten Interesse, traten in Begabtenförderkurse ein und gelangten zu teilweise erstaunlichen Ergebnissen: Sie arrangierten und inszenierten ein faszinierendes Musical, komponierten beachtenswerte Kunstlieder (bei der Eröffnung der – von WG-Schülern erarbeiteten – Ausstellung "heimatlos“ zu Gehör gebracht), nahmen an regulären Vorlesungen des Instituts Computational Mathematics (Prof. Sonar) und des Fachbereichs Maschinenbau (Prof. Scholl) der Technischen Universität Braunschweig teil und übertrafen auf vielerlei Weise die "Standards“ des regulären Gymnasiums. Von hierher trugen sie Impulse in den laufenden Unterricht hinein, die den leistungsschwächeren Mitschülern von Nutzen waren.

Dass ein erfolgreiches und frohgemutes Kalenderjahr an unserer Schule unter dem Schatten des Todes zu Ende gehen würde, hatte niemand von uns erwartet. Die Schüsse, die einer der "Neuen“, ein eben erst eingeschulter Siebtklässler, auf die Eltern und dann auf sich selbst abfeuerte, trafen auch die Schule. In vielen Gesprächen haben Schüler, Lehrer und Eltern die Ursachen und Konsequenzen dieser Familientragödie zu fassen versucht. Sie waren dankbar für die Hilfe, die ihnen von dem Notfallseelsorger der Ev. Landeskirche und von den Schulpsychologen der Bezirksregierung angeboten wurden. Mit vereinten Kräften gingen sie daran, das selbstverständliche Vertrauen im Schulalltag wiederzuerlangen, das wir am Wilhelm-Gymnasium in besonderer Weise pflegen.

 

2004 – ein Jahr der Abschiede von liebgewordenen Strukturen, ein Jahr vielfältigen Neubeginns, ein Jahr frohen Zusammenseins, aber auch finsterer Schicksalsschläge. Bei aller Unwägbarkeit der Ereignisse konnten wir wiederum auf die feste Unterstützung durch den Verein der ehemaligen Schülerinnen und Schüler des Wilhelm-Gymnasiums bauen. Von Herzen danken wir für vielfältige Unterstützung ideeller und finanzieller Art; wir danken für das nachhaltige Engagement, mit dem die Ehemaligen  zur Sicherung und weiteren Entfaltung unserer Schule beigetragen haben. Die Verbundenheit der ehemaligen und der gegenwärtigen Schülerinnen und Schüler ist ein kostbares Gut, dessen Pflege uns allen am Herzen liegen muss.

Mit allen guten Wünschen für ein gesegnetes und glückliches neues Jahr 2005!

Gerhard Thamm van Balen
Oberstudiendirektor

 

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