WG 2001 im Rückblick

Festliche Klänge aus der Weihnachtswerkstatt des Schulchores – himmlische Wesen, Geschenke zu St. Nikolaus verteilend – entrückende Harmonien der Bläser unerwartet am Vormittag – im dämmrigen Remter die verheißungsvollen Adventslichter – geschmückte Kerzen in den Klassenräumen: Die Ferien kommen in den Blick, doch vorher noch die letzten Klausuren, „Xmas-letters“ nach Gilford und nach Megara, Weihnachtsgottesdienst in St. Magni: Am Wilhelm-Gymnasium rundet sich das Jahr – man schaut zurück und zieht Bilanz: ein gutes Jahr, ein schlechtes Jahr? Ein Jahr geht dem Ende entgegen, das allen, die an unserer Schule lehren und lernen, reiche Frucht gebracht hat.

Mit Sachverstand, Phantasie und langem Atem konnten Lehrer und Schüler gemeinsam eine Fülle anspruchsvoller Aufgaben bewältigen und nicht selten dabei ganz ungewöhnliche Ergebnisse erzielen. Stellvetretend für die vielen gelungenen Aktionen in Unterricht und Schulleben sei hier ein Großprojekt genannt, an dem sich die Schulgemeinschaft in ihrer Erfindungsgabe, ihrer Gestaltungskraft und ihrem Selbstbewusstsein zu beweisen hatte: die Vorbereitung und Ausführung der Ilias-Lesungen als Teil des offiziellen Programms der Braunschweiger Troia-Ausstellung. Vor laufenden Kameras des NDR das rechte Metrum zu finden, auf dem Burgplatz im „säkularen“ Raum ohne Scheu zu lesen, nach erfolgtem Vortrag im Gespräch mit kompetenten Zuhörern zu bestehen – dies waren Herausforderungen, denen unsere Schülerinnen und Schüler entsprechen mussten – mit Bravour ist ihnen dies gelungen.

Neben der aktuellen pädagogischen Arbeit verzeichnet auch die konzeptionelle Arbeit Erfolge: Mit dem Modell einer für unsere Schule „maßgeschneiderten“ Integrativen Medienpädagogik konnte sich das Wilhelm-Gymnasium im harten Wettbewerb um den Zugang zum „n21“-Förderprogramm des Landes Niedersachsen durchsetzen. Aus dieser Quelle fliessen noch in diesem Jahr erhebliche Mittel in die Multimedia-Ausstattung der Schule; spezielle Medienprojekte der Fächer Deutsch, Englisch, Französisch, Latein, Mathematik, Physik, Politik und Sport unter dem gemeinsamen Titel „Schritte zum autonomen Lernen: Recherchieren, produzieren, präsentieren“ werden damit möglich; manche der Schritt für Schritt entstehenden Werkstücke zeigt demnächst unsere Homepage.

Aufbruch zu neuen Ufern – im buchstäblichen Sinne dieses Worts reisten Schülerinnen und Schüler der achten und neunten Klassen, von der Fachgruppenleiterin Alte Sprachen und vom Schulleiter begleitet, in der Vorosterzeit an die Gestade Attikas, um die Verbindung zu unserer neuen Partnerschule in Megara zu festigen und mittelfristige Perspektiven dieses noch jungen, aber vielversprechenden Schüleraustauschs mit Griechenland zu entwickeln. Wer könnte in Worte fassen, mit welcher Herzlichkeit wir Braunschweiger dort empfangen und zwei Wochen lang begleitet worden sind und mit welcher Innigkeit die griechischen Gastgeber einen Ausbau der Beziehungen erhofften. Dass im Gefolge der Anschläge vom 11. September der Gegenbesuch „unserer“ Griechen in Braunschweig ausfallen musste, hat die treuen Megara-Fahrer ein weiteres Mal veranlasst, dem nun für März 2002 vorgesehenen „Doppelaustausch“ (griechische Lehrkräfte und Schülerinnen/Schüler zunächst am WG, sodann, ohne nennenswerten zeitlichen Abstand, WG-Schülerinnen und -Schüler in Megara) mit großen Hoffnungen entgegenzusehen.

Konnten die unfasslichen Terror-Angriffe auf Städte der USA auch den langjährigen Beziehungen zwischen dem Wilhelm-Gymnasium und der Gilford High School schaden? Mitnichten! Einträchtig hatten Amerikaner und Deutsche im Sommer WG-Unterricht absolviert, die Stadt erkundet, Bedeutendes in der Region gesehen, und während die Gäste nach Hause reisten, freuten sich die Zurückgebliebenen aufs Kofferpacken. In den Tagen der Katastrophe war es glücklicherweise möglich, per Fax und eMail Kontakt zu halten. Aus den Zeugnissen selbstverständlicher Solidarität, aus der von Lehrern und Schülern gestalteten Gedenkstunde in der Aula, aus zahlreichen hin- und hereilenden eMails und aus einer durch Schülerinitiative entstandenen Spendenaktion zugunsten notleidender Kinder der zu Tode gekommenen US-Bürger erwuchs die Erfahrung besonderer Verbundenheit und auch die auf das neue Jahr gerichtete Entschlossenheit, der Gewalt zu trotzen und den Austausch, intensiver noch als bisher, fortzusetzen.

Dass auch die ehemaligen Schülerinnen und Schüler, aber auch die ehemaligen Lehrkräfte wiederum so intensiv Anteil an den Geschicken der Schule genommen haben, gehört mit Sicherheit auch zu den Früchten des ablaufenden Jahres. Im Frühjahr hatte eine große Gruppe Goldener Abiturienten die Schule besucht und durch ihre Berichte und Erinnerungen die gegenwärtige Schule mit der vergangenen zusammengebracht; dass sie auch bei der Entlassung der diesjährigen Abiturientia zugegen waren, hat die Schulgemeinschaft als besondere Ehre empfunden.

Neben dem Dank für die segensreiche Fülle dieses Jahres bleibt aber auch die Klage. Mit Bestürzung und Trauer wurde am Wilhelm-Gymnasium aufgenommen, dass der verehrte ehemalige Leiter des Wilhelm-Gymnasiums, Herr Dr. Dietrich Mack, recht unerwartet verstarb. Wenn dem Wilhelm-Gymnasium in der gegenwärtigen Öffentlichkeit Leistungsfähigkeit und Erziehungsbereitschaft attestiert wird, verdankt die Schule dies auch dem entschiedenen pädagogischen Engagement Herrn Dr. Macks.

Thamm van Balen