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Griechenland 2000  

Seit vielen Jahren erhalten die Griechischschüler der Oberstufe die Gelegenheit, an einer Studienfahrt nach Griechenland teilzunehmen: Sie erkunden unter fachkundiger Führung und nach eigener Vorbereitung das Land, mit dessen Kultur, Geisteswelt und Geschichte sie sich im Unterricht beschäftigen. Dabei lernen sie auch das Griechenland der folgenden Zeiten und natürlich das der Gegenwart kennen. Auch in diesem Jahr fand eine solche Fahrt statt: Eine Gruppe von Schülern und Eltern fuhr unter der Leitung von Frau Thiele und Herrn Busch vom 7.- 18.4. in das Land Homers und Platos:

Auf unserer Fahrt durchstreiften wir fast ganz Griechenland, wobei der Schwerpunkt auf der Peloponnes und Athen mit Umgebung lag. Auf den besonders am Anfang langen Bustouren staunten wir über die landschaftliche Vielfalt und hielten bei so mancher Passüberquerung die Luft an. Aber unser Busfahrer Antonios, der Liebling aller Schüler, brachte uns sicher überall hin. An allen Orten freuten wir uns über das Blühen und Grünen bekannter und unbekannter Pflanzen. Unsere bei allen beliebte und äußerst kompetente griechische Reisebegleiterin Dora machte uns auf vieles aufmerksam, was wir sonst übersehen hätten: Judasbäume, Artischocken, Pistazien, Maulbeerbäume ...

Aber natürlich lag der Schwerpunkt auf dem Besuch archäologisch und historisch bedeutender Stätten. Nach dem Flug von Hannover nach Thessaloniki besuchten wir als erstes die Meteora-Klöster, deren Anblick uns überwältigte: Wie Vogelnester sitzen die mittelaterlichen Klöster auf hochragenden Felsen. Weiter ging es nach Delphi, dem berühmten Orakel, dem wir bei der Herodot- und Sophokleslektüre oft begegnet waren. Höhepunkt des Besuchs von Olympia, das in den Olympischen Spielen immer noch weiterlebt, war ein Wettlauf im Stadion. Sieger Jörn wurde stilecht mit Ölivenzweigen bekränzt. Ein besonderer Leckerbissen, den Pauschaltouristen nicht zu sehen bekommen, war der hervorragend erhaltene Apollotempel von Bassai: Allein schon die kurvenreiche Fahrt durch die abgelegenen Gebirgsregionen war ein Erlebnis. In Kalamata durften wir dann dank der Organisation durch unser griechisches Reisebüro eine Nacht in einem Hotel der gehobene Klasse verbringen, Meeresrauschen inclusive. Von dort aus ging es zunächst zum Nestorpalast in Pylos. Welcher Luxus hier geherrscht hatte, konnte man beim Betrachten der Funde im Museum erahnen. Nächste Station war Sparta: Von der antiken Stadt ist nahezu nichts mehr zu sehen. Das moderne Sparta mit seinen schnurgeraden Straßen ist eine Gründung des 19. Jh. von König Otto aus Bayern. Viel zu sehen war dagegen von der mittelalerlichen Stadt Mistra mit ihren prachtvoll bemalten Kirchen und der hervorragenden Fernsicht auf unendliche Olivenhaine. Nachdem es die bisherigen Tage noch etwas frisch gewesen war, wurde es jetzt von Tag zu Tag wärmer. Der nächste Tag bot einen Galopp durch die Jahrhunderte: Vom Übernachtungsort Nafplio aus, der unter Otto kurzzeitig Hauptstadt von Griechenland gewesen war, ging es in die mykenische Zeit, die Zeit der homerischen Sagen: In Mykene mit dem berühmten Löwentor meinte Schliemann die Totenmaske Agamemnons gefunden zuhaben. Tiryns aus derselben Epoche beeindruckt durch seine Zyklopenmauern. Hier waren wir wieder abseits der normalen Touristenroute. Mittags stiegen wir oben bei der venezianischen Festung Palamidi aus dem Bus, genossen die postkartenreife Aussicht auf Nafplio und stiegen die 1000 Stufen hinab in die Stadt. Unser einziger "Unfall", ein verknackster Fuß, passierte nicht etwa auf der Treppe, sondern unmittelbar danach auf ebener Erde. Nachmittags fuhren wir nach Epidauros und bestaunten die Akustik des hervorragend erhaltenen und heute wieder genutzten Theaters. Am nächsten Tag besuchten wir Korinth mit seinem berühmten Apollon-tempel, überquerten den Isthmos und näherten uns einem der Höhepunkte unserer Reise: Die Stadt Maguola hatte uns aufgrund der Vermittlung des Direktors des Lyzeums von Magoula zum Lammessen eingeladen. Diese Einladung erging an uns im Rahmen unserer Bemühungen um einen Austausch mit einer Schule aus der Region Westattika. Alle involvierten Personen aus der Präfektur und des Gymnasiums von Megara, das einen Austausch mit uns anstrebt, begrüßten uns. Nach dem ausgezeichneten Essen unter Freiem Himmel probten wir die Völkerverständigung ohne Worte: Wir alle tanzten zusammen griechische Tänze, mit Soloeinlagen von beiden Seiten. Die letzten Tage waren Athen und seiner Umgebung gewidmet: Nachdem einige von uns am Abend schon die Akropolis umrundet hatten, besichtigten wir am folgenden Tag fast alles, was Athen an Antikem zu bieten hat: Olympieion, (antik-modernes) Stadion, Kerameikos, Akropolis und Agora. Auf den Busfahrten von einem Ort zum anderen sahen wir auch die Evzonen beim Parlament und die sogenannte Athener Trias von klassizistischen Bauten. Wir hatten während unseres mehrtägigen Aufenthalts in Athen genug Zeit, diese und andere Teile des moderen Athen (z. B. die Plaka, den Nationalgarten und das Kolonaki-Viertel) in kleinen Gruppen noch genauer zu erkunden. Am nächsten Tag mussten wir früh aufstehen, um unsere Fähre nach Ägina zu erreichen. Der Aphaia-Tempel, der noch ausgezeichnet erhalten ist, hat sich zum beliebten Ausflugsziel entwickelt. Aber nur wir durften dank Dora in das kleine, aber sehenswerte Museum. Sie zeigte uns auch noch die neueren Ausgrabungen beim Apollo-Tempel am Rande des Hafenstädtchens Ägina. Wir hatten noch Zeit, am Strand zu sitzen oder im Ort zu bummeln. Besonders charakteristisch waren hier die Pistazien und die Tintenfische, die überall in der Sonne hingen. Diesen erlebnisreichen Tag hatte uns der Elternverein mit einem Zuschuss von 500 DM ermöglicht, wofür wir uns noch einmal herzlich bedanken möchten. Das Nationalmuseum, dem man die Erdbebenschäden noch ansah, stand am folgenden Tag auf dem Programm. Der Besuch bot eine gute Gelegenheit zum Rückblick auf die Reise, weil Funde aus fast allen besuchten Orten hier zusammengetragen waren. Nachmittags ging es nach Kap Sounion mit seinem berühmten, auf vielen Postkarten abgebildeten Poseidontempel, auf dem sich schon Lord Byron verewigt hat. Am letzten Abend bestiegen wir alle zusammen den Lykabettos und genossen den Blick auf Athen bei Nacht. Nach einem freien Vormittag in Athen wurden wir von Kristin aus dem Reisebüro zum Flughafen geleitet, und dann hieß es Abschied von Griechenland nehmen. Alle beneideten Andreas und Dimi, die noch bei ihren Verwandten bleiben konnten.

Alles in allem war es eine gelungene Fahrt, die allen Beteiligten viel Spaß gemacht und Lust auf mehr Griechenland geweckt hat. Es hat sich wieder einmal gezeigt: Die Griechenlandfahrt ist zwar nicht der einzige, aber bestimmt ein guter Grund, Griechisch zu wählen.

Übrigens: Die Kenntnis von griechischer Schrift und altgriechischen Wörtern erleichtert die Orientierung in Griechenland ungemein: Schilder und sogar Zeitungsüberschriften können problemlos entziffert werden. Einige von uns versuchten auch, sich auf Neugriechisch zu verständigen. Beliebteste Sätze waren: POU EINAI H TOUALETA; (sprich: pou ine i tualetta?) und ENAN KAFE, PARAKALW. (sprich: enan kafe, parakalo).

Sylvia Thiele

 

Die Frage nach dem Obertouri

"Wer is' hier der Obertouri?"- Diese Frage stellte sich auf der Kursfahrt der RGO '98 und '99 nach Griechenland recht häufig. Anlass gab es ausreichend, denn wir bewegten uns eigentlich nur in Hochburgen des Tourismus, was nicht immer von Nachteil sein muß. Ausschlaggebend für die Fahrt war eigentlich schon, dass am Freitagmorgen, den 7. April, alle pünktlich um 7 Uhr am WG waren, und so war es in Sachen Pünktlichkeit und Vollzähligkeit nicht nur an diesem Morgen, sondern ausnahmslos immer, was wir alle natürlich den organisierenden Kräften zu verdanken haben! Der Reiseverlauf war reibungslos im Ablauf und nach mehreren Stunden in/über/vor etlichen Flughäfen waren wir dann in Thessaloniki angekommen, wo uns unsere Reiseleiterin Dora samt Chefbusfahrer Antonis (der insgeheim einfach der Held der Reise war) erwartete und einsammelte. Der Tagesablauf gestaltete sich recht gleichmäßig: nachmittags bzw. abends im Hotel ankommen, Kartoffeln mit dazu gehörigem Fleisch essen, ..., irgendwann schlafen, aufstehen, entscheiden, ob für die Touris eine kurze Hose in Frage kommt, sich der nervenaufreibenden Frage stellen, ob es frisches Brot gibt und schließlich sich der am nervenaufreibendsten Aufgabe stellen, die Tasche neu zu packen. Denn dann fuhren wir zu "unseren" Stätten, die uns schon im Vorfeld viele Freitagnachmittage im WG beschäftigt hatten. In diesem Rhythmus und immer umgeben von der sehr geduldigen und anfangs gewöhnungsbedürftigen Dora und natürlich unserem Chefbusfahrer bewegten wir uns von Nord nach Süd auf dem Festland, sahen dabei die Meteora-Klöster und Delphi. Am 9. April setzten wir dann auf die Peloponnes über und erkundeten in den folgenden Tagen von Olympia über Mykene bis nach Korinth die tolle und eindrucksvolle Landschaft der "Hand" im Mittelmeer. In dieser Jahreszeit zu reisen war eine gute Entscheidung, denn alles blühte, und wir erlebten ein frühlingshaftes Griechenland. Am 14. 4. fuhren wir nach Athen, was einfach eine im wahrsten Sinne atemberaubende Stadt ist! Nicht nur die vier Millionen Einwohner in allen Variationen, sondern auch uns kaum bekannte Kontraste einer Architektur mit Säulenhallen und Plattenbauten erforderten ein weites Auffassungsvermögen. Aber auch Athen und Umgebung wurden entdeckt und größtenteils sehr schätzen gelernt. Die Zeit raste an uns vorbei und schon saßen wir wieder im Flughafen und machten den Obertouri aus, aber diesmal sprachen wir aus Erfahrung, denn die sammelt man, wenn man sich mit 20 Leuten 12 Tage lang beschäftigt - was aber mit normalen Ausnahmen eine Menge Spaß macht... Am Ende der große Dank an alle, besonders an unsere fünf Organisatoren und Begleiter Frau Thiele, Frau Busch, Herrn Busch, Frau Kohlmeyer und Frau Schneefuß. - Alles in allem war es eine sehr steile Sache!

NN

 

 

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