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Griechisch-Erfahrungsbericht

Als ich als in der 9. Klasse das erste Mal die vielen Treppen zum winzigen Griechischraum voller alter Bücher, in dem die Antike förmlich in der Luft liegt, hinaufkletterte, wusste ich noch nicht so recht, was mich erwartete, doch inzwischen kann ich auf jeden Fall sagen, dass man im Griechischunterricht viel mehr und auch andere Dinge als nur Griechisch suchen kann und auch finden wird.

Damals fielen mir jedenfalls sofort die nur vierzehn Mitstreiter auf und auch wenn ich mir später manchmal in Griechisch-Doppelstunden am späten Nachmittag gewünscht hätte, wie in anderem Unterricht einfach mal kurz abschalten und vor mich hinträumen zu können, ist die Gruppengröße ein riesiger Vorteil des Griechischunterrichts. Jeder ist immer miteingebunden, es kann auf jeden, der vielleicht noch eine andere oder eine zweite Erklärung benötigt, individuell eingegangen werden und es bleibt vor allem genug Zeit, Fragen zu stellen und Antworten zu bekommen und ausgiebig Dinge zu erörtern, die über den Rahmen des normalen Unterrichts hinausgehen.

Wer hin und wieder da Interesse entwickelt, wo die Diskussion normalerweise aus Zeitmangel oder zu weiter Entfernung vom Ausgangspunkt gerade beendet ist, wird in den Griechischstunden die Möglichkeit haben, sich wirklich tiefgehend mit vielschichtigen Themen auseinanderzusetzen, auch wenn sie auf den ersten Blick vielleicht gar nichts mit Altgriechisch zu tun haben, und vielleicht ganz neue Aspekte und Perspektiven kennen lernen. Und wenn dann mal eine Doppelstunde mit einer intensiven Debatte über die eingangs eher beiläufig gestellte Frage „Was ist eigentlich Seele?“ vergeht, dann haben wir zwar keine neuen griechischen Vokabeln, aber eine Menge über verschiedenste philosophische, religiöse und neurobiologische Denkansätze gelernt.

An der griechischen Sprache selbst faszinierte mich von Anfang an ihre Fremdartigkeit, die sich ja schon am anderen Schriftbild zeigt und sich im Inhalt auf den ersten Blick oft fortsetzt, und gleichzeitig die Parallelen zu den verschiedensten anderen Sprachen und die unerwartete Modernität des 2500 Jahre alten Gedankenguts.

In Griechisch setzt man sich von Anfang an sehr intensiv mit den Inhalten der gelesenen Texte –zumindest habe ich das so erlebt – auseinander und lernt damit eine ganz andere Welt kennen, die für uns in ihren Wertvorstellungen, ihrer Denkweise und in ihrer ganzen Kultur auf den ersten Blick sehr fremd wirkt. Umso faszinierender ist es dann, wenn doch immer wieder deutlich wird, wie „modern“ die Inhalte der Texte tatsächlich sind, wenn man ihre Aussage allgemein formuliert, und wie universell und allgemeingültig die Geschichten und Gedanken der alten Griechen dadurch sind und waren.

Auch auf sprachlicher Ebene begibt man sich gewissermaßen zu den Grundlagen unserer Kultur, zum Beispiel wenn man die ersten Werke der europäischen Literaturgeschichte überhaupt, die Ilias und die Odyssee, im Original liest. Da Griechisch eine sehr alte Sprache ist, hat mich auch besonders begeistert, wie viel ich über die Entstehung von Sprache überhaupt, darüber, woher bestimmte Wörter kommen, wie sie gebildet wurden und wie sie sich im Lauf der Zeit und in anderen Sprachen verändern, gelernt habe. Nebenbei nimmt man auch die eigene Sprache viel bewusster und reflektierter wahr, was sicherlich auch für die eigene Sprachkompetenz nicht gerade von Nachteil ist.

Die Vielfalt der Texte, die von Mythen und Anekdoten über Geschichtliches, Lyrik, Reden und natürlich viel Philosophisches geht, wobei die Texte oft viele Aspekte vereinen, spiegelt auch die Vielfalt der Themen wider, mit denen man sich beschäftigt. Selbst aus nicht unbedingt im engeren Sinne philosophischen Texten ergeben sich so oft sehr philosophische Diskussionen über aktuelle Themen, über Politik, gesellschaftliche, ethische und manchmal auch existenzielle Fragen.

Durch Griechisch konnte ich daher Wissen in viele andere Unterrichtsfächer wie Religion, Geschichte, Politik, Deutsch, natürlich Latein und vor allem Philosophie einbringen. Man lernt eine Menge über die Kultur und Lebensweise in der Antike, erlangt Zugang zu ganz neuen Themengebieten wie etwa Rhetorik und wird natürlich zum absoluten Fremdwörterprofi. Durch den sehr genauen und analytischen Umgang mit der Sprache lernt man auch, mit der eigenen Sprache bewusster umzugehen. Man hat durch die kleinen Lerngruppen die Möglichkeit zu einer viel tieferen Auseinandersetzung mit Themen, als es sonst der Fall ist, sei es nun im politischen, historischen, sprachlichen oder philosophischen Bereich, und erkennt mit der Zeit viele Zusammenhänge, nicht nur zwischen den Fachgebieten, sondern auch zwischen der Antike und unserer Zeit.

Daher habe ich durch Griechisch nicht nur eine faszinierende und sehr schöne Sprache gelernt, sondern eine ganz neue Kultur kennen gelernt und wirklich etwas fürs Leben mitgenommen. Natürlich habe ich viel Wissen auch für andere Fächer erlangt, doch am meisten hat sich der Griechischunterricht für mich dadurch gelohnt, dass ich durch ihn eine gewisse universelle Bildung erhalten habe, einen tiefen Einblick in verschiedene Themen und Zusammenhänge, eine eigenständige, kritische Denkweise, um Dinge zu hinterfragen, ihnen auf den Grund gehen zu wollen und mich umfassend mit ihnen auseinanderzusetzen. Das mögen vielleicht Kenntnisse und Fähigkeiten sein, die keine mess- oder vorlegbaren Qualifikationen darstellen, die aber trotzdem für die weitere Bildung und viele Bereiche des Lebens wertvoll sind und nicht nur Notenpunkte einbringen, sondern Persönlichkeiten bilden.

Maren Hackenberg (Abitur 2011)

 

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