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Latein und Griechisch, zwei Sprachen nur für angehende Mediziner und Theologen?

Frau Susanne Diethelm, Mathematikerin und ehemalige Schülerin unserer Schule (Abitur 1986), äußert sich dazu folgendermaßen:

Die richtige Antwort auf die Frage nach einem ausgestorbenen, früher meeresbewohnenden Reptil wurde vor einiger Zeit in einer Quizshow mit einem hohen Geldpreis belohnt. Wer bis zu dieser Frage gekommen und im Griechischen bewandert war, dem war der Gewinn sicher.

Auch abgesehen von derartigen materiellen Aspekten dürfte der Nutzen des Erlernens einer großen Anzahl von Sprachen unbestritten sein. Dabei liegen die Vorteile des Beherrschens moderner Sprachen auf der Hand. Ist aber der Erwerb von Kenntnissen alter Sprachen noch zeitgemäß? Die erfolgreiche Beantwortung solcher Quizfragen dient doch in erster Linie der Unterhaltung von Fernsehzuschauern und reicht damit wohl kaum als Motivation zum Erlernen von Latein und Altgriechisch aus. Als weltfremd wird bisweilen auch das gesehen, was den ideellen Wert der alten Sprachen ausmacht: Durch die Beschäftigung mit diesen Sprachen taucht man zugleich ein in die Kultur und Gedankenwelt der Antike. Doch – so die häufig geäußerte Meinung – ist dies nicht auch möglich, ohne sich die Sprachen selbst anzueignen?

An dieser Stelle möchte ich aus meiner persönlichen Erfahrung berichten, die neun Schuljahre Latein und fünf Jahre Griechisch umfasst. Der eben gestellten Frage will ich gar nicht im Detail nachgehen, nur so viel dazu sagen: Für mich steht fest, dass die intensive Beschäftigung mit einer Sache den Menschen prägt. Und so prägt die Auseinandersetzung mit der antiken Gedankenwelt die eigene Persönlichkeit. Diese Auseinandersetzung gewinnt an Intensität durch das Erarbeiten von Originaltexten, was jedoch nur im altsprachlichen Unterricht geschehen kann. Allerdings beeinflusst auch das Erlernen alter Sprachen an sich nach meiner Überzeugung Fähigkeiten und Persönlichkeit eines Menschen und ist ihm durchaus von – wider oft geäußerter Meinung – auch praktischem Nutzen:

●        Die alten Sprachen sind Grundlage für moderne Sprachen. Dies ist offensichtlich im Hinblick auf ihr Vokabular (man denke an die vielen Wörter, die dem Lateinischen oder Griechischen entstammen). Aber noch mehr: Wer ihr Strukturschema kennt und ihre Grammatik beherrscht, wird sich auch im Aufbau und in der Grammatik neuer Sprachen zurechtfinden. Alte Sprachen schaffen also ideale Voraussetzungen zum Erlernen moderner Sprachen.

●        Alte Sprachen können aber auch eine gute Vorbereitung auf ganz andere Ausrichtungen sein: Ich selbst habe mich während meiner Schulzeit schwerpunktmäßig mit Latein und Altgriechisch beschäftigt. Erst nach dem Abitur habe ich mich für ein ganz anderes Fachgebiet entschieden, das ich bis zu diesem Zeitpunkt nie in Erwägung gezogen hatte, nämlich die Mathematik. Alte Sprachen besitzen eine regelmäßige Struktur und aufgrund ihrer Formenvielfalt sehr differenzierte Ausdrucksmöglichkeiten. Diese Eigenschaften machen in meinen Augen nicht nur einen besonderen Reiz dieser Sprachen aus, sondern fördern auch logisches und analytisches Denken und erziehen zu Genauigkeit und Gründlichkeit, unentbehrliche Kompetenzen besonders für mein Studienfach. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, die alten Sprachen haben mir persönlich den Weg gewiesen zu dem, was sich als mein "Traumstudium“ herausgestellt hat. Nun profitiere ich davon, beides zu haben, ein abgeschlossenes Mathematikstudium und dank einer breiten Ausbildung noch recht gute Kenntnisse im Bereich der antiken Sprachen.

Noch ein weiterer Gesichtspunkt: Die zum Teil philosophischen Textinhalte fördern Abstraktionsvermögen, das Bestreben, die Dinge zu hinterfragen, und die Fähigkeit, ein Problem von mehreren Seiten zu beleuchten und verschiedene Lösungsansätze in Betracht zu ziehen – drei hervorragende Voraussetzungen zum Beispiel für ein Mathematikstudium, aber sicherlich auch hilfreich in vielen anderen Berufszweigen.

Latein und Griechisch, zwei Sprachen nur für angehende Mediziner und Theologen?

Latein und Griechisch: zwei Sprachen, die den Horizont in verschiedene Richtungen erweitern und viele (manchmal im wahrsten Sinne des Wortes ungeahnte) Möglichkeiten eröffnen.

 

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